Neue Ära im Chassisbau

Neue Ära im Chassisbau

DIE HISTORIE

Mit seinen amc-Chassis ist AL-KO im bayerisch-schwäbischen Kötz bei Günzburg besonders, aber nicht nur in der Caravaningbranche eine nicht mehr wegzudenkende, feste Größe. Gleichgültig, ob in Hoch- oder Tiefrahmenausführung, ob mit Einzel- oder Tandemhinterachse, AL-KO liefert das jeweils maßgeschneiderte amc-Anbauchassis für alle frontgetriebenen Transporter, vom Fiat Ducato samt der Sevel-Pendants Peugeot Boxer und Citroën Jumper, über den Renault Master und den baugleichen Opel Movano, den VW T5 sowie den Ford Transit.
Darüber hinaus hat AL-KO aber auch schon für den heckgetriebenen Mercedes Sprinter Radstands- und Rahmenverlängerungen gebaut. Und das mit voller Akzeptanz und Freigabe durch DaimlerChrysler und damit voller Werksgarantie.
DAS PROJEKT

Diese erfolgreiche Arbeit von AL-KO gab den Ausschlag dafür, dass DaimlerChrysler bereits bei den ersten Überlegungen wie der Erstellung des Lastenheftes zum neuen Sprinter, dessen Entwicklung unter dem Arbeitstitel NCV3 lief, ein Tiefrahmenchassis aufnahm, das gemeinsam mit AL-KO realisiert werden sollte.
Ziel war, vor allem auch für die Reisemobilbranche ein abgesenktes Chassis zu entwickeln, das es den Aufbauern ermöglicht komfortable Mobile mit oder ohne doppelten Boden bei akzeptabler Gesamthöhe zu bauen.

Das Besondere an dieser Gemeinschafts-Entwicklung: Im Gegensatz zu allen bisher konzipierten amc-Chassis ging es hier um ein hinterradgetriebenes Fahrzeug.

Das für den neuen Sprinter zu entwickelnde Tiefrahmenchassis musste bei einer deutlichen Rahmenabsenkung zusätzlich den gesamten Antriebsstrang, Kardanwellen samt Lagerung, Differential und Achswellen aufnehmen.

Eine weitere Herausforderung an die beiden Entwicklungs-Teams bestand darin, dass auch mit dem Komplettfahrzeug aus Sprinter-Zugkopf und AL-KO-Tiefrahmenchassis die angestrebten, überragenden Fahreigenschaften für den neuen Mercedes-Benz-Transporter erreicht werden sollten. Einschließlich funktionierenden elektronischen Fahrhilfen wie Antiblockiersystem (ABS), Antischlupfregelung (ASR) und adaptivem elektronischem Stabilitätsprogramm (Adaptives ESP).
Das alles umzusetzen war selbstverständlich nur in engster Zusammenarbeit der beiden Unternehmen und ihrer Konstruktions- sowie Entwicklungsabteilungen möglich.

DIE UMSETZUNG

Das Ergebnis ist ein technischer Leckerbissen, in den die jahrzehntelange Erfahrung der beiden Global Player eingeflossen ist. So hat DaimlerChrysler sogar einen speziellen 85-Liter-Dieseltank entwickelt, der sich unter und hinter dem Fahrerhaus in das AL-KO-Chassis einschmiegt. Auch der Antriebsstrang samt der in einem Achsschemel verschraubten Hinterachse ist eine eigenständige Entwicklung der Stuttgarter für das AL-KO Tiefrahmen-Chassis. Die herausragenden Merkmale dieser Hightech-Achskonstruktion sind Schräglenker mit Einzelradaufhängungen, eine auf 1890 mm verbreiterte Spur (Original 1716 mm), Schraubenfedern und schrägstehende, nicht über die Rahmenoberkante ragende Stoßdämpfer. Lediglich die Radnaben, das Bremssystem sowie die Räder und die Reifen hat das Tiefrahmenchassis mit den übrigen Sprintern gemeinsam.
Den AL-KO Ingenieuren ist es gelungen, das Know-how der amc-Chassis Technik und die jahrzehntelange Erfahrung in das neue heckangetriebene Chassis-Konzept einfließen zu lassen.
So kommen sowohl Leichtbau-optimierte Chassis-Komponenten wie auch die millionenfach bewährte AL-KO Schernocken Verschraubung in dem Gemeinschaftsprojekt zum Einsatz.

Je nach Wunsch und Anforderung der Aufbauhersteller lassen sich eine Vielzahl spezifischer Chassis Varianten realisieren.

DIE TECHNIK

Wie dies bei den amc-Chassis von den Aufbauherstellern seit jeher sehr geschätzt wird, steht auch beim neuen Sprinter-Tiefrahmenchassis der Bauraum oberhalb der Chassisebene uneingeschränkt zur Verfügung.
Aufgrund des maximal zulässigen Knickwinkels der Antriebswelle muss diese lediglich auf einer Länge von rund 300mm hinter dem Fahrerhaus mit einem Fangkasten überbaut werden. Der ragt schräg nach hinten abfallend um einige Zentimeter zwischen den Längsholmen heraus, kann aber bei allen Reisemobilen in einer Stufe oder dem Doppelboden verschwinden.
Bis auf diese marginale Einschränkung ist es AL-KO gelungen, ein Chassis zu konstruieren, dessen Rahmenoberkante trotz des Hinterradantriebs durchgängig um 205 mm niedriger liegt als die des normalen Sprinter-Fahrgestells. Wegen des Hinterradantriebs beschränken sich AL-KO und DaimlerChrysler wie beim Originalchassis auf drei Radstände.
Allerdings unterscheiden sie sich mit 3600, 3850 und 4100 mm von denen des Originals.
Die übrigen technischen Daten des Sprinters mit AL-KO-Tiefrahmenchassis entsprechen dem Mercedes Sprinter Original Fahrgestell (3,5 t). Zwei Gewichtsvarianten sind geplant. Das 3,5 t-Chassis hat eine zulässige Vorderachslast von 1650 kg (optional 1800 kg), eine zulässige Hinterachslast von 2000 kg, eine gebremste Anhängelast von 2000 kg und ein zulässiges Zuggesamtgewicht von 5500 kg.
Die stärkere Gewichtsvariante (3,88 t) hat eine zulässige Vorderachslast von 1800 kg, eine zulässige Hinterachslast von 2230 kg, eine gebremste Anhängelast von 2000 kg bei einem zulässigen Zuggesamtgewicht von 5880 kg.

DAS ZUBEHÖR

Das AL-KO-Tiefrahmenchassis ist so konzipiert, dass es mit allen bekannten AL-KO-Zubehörteilen ausgerüstet werden kann. Wie zum Beispiel Lastenträger für Motorroller und Fahrräder, abnehmbarer Anhängevorrichtung oder dem neu entwickelten Sicherheitsgurtsystem SGS 5 für Passagiere sowie mechanischen oder elektrischen Hubstützen.

DER SERIENSTART

Bis heute wurde bereits eine Reihe von Prototypen gebaut, die von verschiedenen europäischen Reisemobilherstellern zur Serienvorbereitung aufgebaut werden. Im September dieses Jahres wird das AL-KO-Tiefrahmenchassis für den neuen Sprinter in die Serienproduktion einfließen. Das dafür zu durchlaufende Mercedes-Erprobungs-Programm wie unter anderem Härtetests im schwedischen Winter und den Crashtest eines aufgebauten Reisemobils hat es bereits mit Bravour bestanden. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit AL-KO/DaimlerChrysler gipfelt in strenger und erfolgreicher Endkontrolle, der Dokumentation für reibungslose After-Sales-Betreuung mit voller Mercedes Werksgarantie.