Rittergut Renkhausen: vom Biber gekrönt

Rittergut Renkhausen: vom Biber gekrönt

Ziegel ersetzen historische Dachsteine / Einheitliches optisches Erscheinungsbild durch Großflächenziegel

Klassische Biber und moderne Großflächenziegel - die neu eingedeckten Dächer des Rittergutes Renkhausen (bei Minden-Lübbecke) belegen die gleichermaßen gestalterischen und wirtschaftlichen Pluspunkte von Tondachziegeln. Während das mit Biberschwanzziegeln sanierte Dach des Herrenhauses durch sein historisches Aussehen die Gesamtanlage "krönt", sparte die Eindeckung einer neu errichteten Maschinenhalle mit dem neuen Großflächenziegel "Nibra DS 5" Material und Zeit. Dennoch passt dieses Dach optisch in das historische Erscheinungsbild der Gutsanlage. Gut restaurierte Dächer alter Bauwerke ziehen die Blicke immer auf sich. Besucher des Rittergutes Renkhausen in der Nähe von Lübbecke (Nordrhein-Westfalen) schauen deshalb besonders oft nach oben. Zu den denkmalgeschützten Bauwerken des Gutes gehören das Herrenhaus, die Rentei, Dreschhaus, Schafstall und die Brücke. Seit Anfang der 80er Jahre wurden die historischen Gebäude vom Besitzer Georg-Henrik Warneke

Schritt für Schritt detailgetreu restauriert.

Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Renkhausen westlich des großen Torfmoores war immer eng mit der Lübbecker Stadtgeschichte verbunden. Die Lehnsinhaber des Gutes, wie die Ministerialenfamilie von Haddewig, gehörten als Burgmannen der Lübbecker Ritterschaft an. Erstmals im Jahr 1254 urkundlich erwähnt, befand sich einst auf dem Grundstück eine von einem breiten Graben umgebene Wasserburg. Ein Großteil der heutigen Gebäudesubstanz entstand im 18. Jahrhundert. So wurde das Gutshaus vermutlich im Jahr 1750 in Fachwerkbauweise errichtet.

Das Erscheinungsbild änderte sich im Jahr 1896 ganz entscheidend. Der damalige Besitzer Carl Rudolf Stille ließ den ehemaligen Fachwerkbau in ein villenartiges Herrenhaus im Neo-Renaissance-Stil umbauen. Die pompöse Umgestaltung verschlang viel Kapital. Im Jahr 1902 musste das Gut verkauft werden und gelangte mit deutlich verkleinertem Grundbesitz in den Besitz der Familie Kämper, heute Warneke.

Mittlerweile dienen nicht mehr alle Gebäude der Anlage der Landwirtschaft. So wurde im ehemaligen Schafstall ein kleines Cafe eingerichtet. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher aus nah und fern.

Wo Biber sich und Reiter treffen

Blickfang der Gutsanlage ist das denkmalgeschützte Herrenhaus aus dem Jahr 1896 mit seinen üppigen Verzierungen an Fassade und Giebel. Die rund 1.120 Quadratmeter große Hauptdachfläche besteht aus drei geraden, rechtwinklig bzw. in der Höhe versetzten Satteldächern.

Typisch für den Baustil des ausklingenden 19. Jahrhunderts sind die beiden schiefergedeckten Türme. Uhren- und Treppenturm erinnern in ihrem Aussehen an den Renaissance-Stil des 15. und 16. Jahrhunderts.

Das Dach des Herrenhauses war noch mit originalen, rund 100 Jahre alten Betonpfannen eingedeckt. Die auch als "Bonner Schippe" bezeichneten, wabenartigen Dachsteine wurden damals nur selten verwendet.

Biber statt Dachstein

Wegen der vielen gebrochenen Pfannen war das 45 Grad geneigte Steildach großflächig undicht. Da sich die historischen Betondachsteine als nicht ausreichend witterungsbeständig erwiesen hatten, entschieden sich Warneke und Architekt Ralf Lenk (Lübbecke) bei der Auswahl des neuen Deckmaterials bewusst für Tondachziegel. Der naturrote Rundschnittbiber (Decklänge 38 cm, Deckbreite 18 cm) von Nibra, Tochterunternehmen der Dachziegelwerke Nelskamp, überzeugte sowohl Bauherrn als auch Denkmalschutz. Warneke: "Hier stimmten Qualität und Preis. Wichtig waren insbesondere die 20jährige Garantie auf Wasserundurchlässigkeit und die hohe Biegebruchfestigkeit." Der in der Herstellung der Biber verwendete Westerwälder Ton hat eine Wasseraufnahme von weniger als drei Prozent. Diese "Klinkerqualität" gewährleistet eine besonders hohe Widerstandsfähigkeit bei Frost-/Tauwechsel.

Dachstuhl: Neu neben alt

Allein mit einer neuen Deckung war es bei der Dachsanierung nicht getan. Die vorhandene Tragkonstruktion wies durch die jahrzehntelange Durchfeuchtung schon erhebliche Schäden auf. Neben dem aus denkmalpflegerischen Gründen zu erhaltenden alten Dachstuhl mussten neue Streben eingezogen werden.

Eine Schalung aus parafinierten 16 Millimeter dicken Holzfaserplatten stellte das wasserdichte Unterdach sicher. Ihre Nut-Federausbildung erleichterte die schnelle Montage. Anschließend wurde die Konterlattung wasserdicht in das Unterdach eingebunden.

Zur Hinterlüftung der Deckung dient ein an der Traufe befestigtes Lochgitter aus Zink. Die Entlüftung des Firstes erfolgt durch eine unter den Firstziegeln verlegte, korrosionsbeständige Gratrolle mit Lüftungsöffnungen.

Zink- statt Biberkehlen

Die Biber-Doppeldeckung der Satteldachflächen bereitete dem beauftragten Dachdeckermeister Uwe Horstmann und seinen Männern - vor allem wegen der hohen Maßhaltigkeit der Ziegel - keine Probleme. Um die Wasserundurchlässigkeit in den Übergängen sicherzustellen, brachten sie eingebundene Zinkkehlen (Scharen) an.

Die Flächendeckung überdeckt dabei die Kehldeckung durch die Zinkscharen um jeweils mindestens 12 Zentimeter. Um ein Abrutschen der Ziegel im Bereich der Kehlen auszuschließen, wurden sie wie die Firstziegel zusätzlich mit Edelstahldraht (V2A) an der Lattung befestigt.

Sorgfalt bei Dachanschlüssen

Handwerkliche Sorgfalt erforderte die Ausführung der Dachanschlüsse an den Giebeln. Schichtstücke aus Blei wurden als Nocken in die Deckung eingebunden. Ihr Zuschnitt richtete sich nach dem Traglattenabstand zuzüglich der entsprechenden Höhenüberdeckung. Um einen wasserdichten Anschluss an die aufgehende Wand zu garantieren, wurden sie mit Bleiwolle ins Mauerwerk verstemmt.

Die Dachsanierung dauerte in mehreren Etappen rund zehn Monate. Viel Zeit erforderte unter anderem die Restaurierung der auf den Außenwänden des Herrenhauses aufliegenden, begehbaren Regenrinnen. Neben den Satteldachflächen wurden auch die Turmdächer mit Schiefer neu eingedeckt. Die Eindeckung des Treppenturmes war für die Dachdecker dabei eine ganz besondere handwerkliche Herausforderung.

Um die Kosten im Rahmen zu halten, verzichtete Warneke in Abstimmung mit dem Denkmalschutz auf eine Restaurierung der einstmals vorhandenen Dachaufbauten. Sie wurden abgerissen, so dass sich nach der Neueindeckung völlig glatte Dachflächen ergaben.

Fünf Arbeitstage für 540 Quadratmeter

Gut Renkhausen ist kein Museum, sondern ein landwirtschaftlicher Großbetrieb. So entstanden auch neue Gebäude für die Landwirtschaft. Bei der Materialauswahl für die Maschinenhalle stand die harmonische Einbindung des Daches in die vorhandene Bausubstanz im Vordergrund.

Warneke entschied sich für den "Riesen unter den Großflächenziegeln", den großformatigen Tondachziegel "Nibra DS 5". "Bei nur etwa sechs Ziegeln pro Quadratmeter Dachfläche verringert sich nicht nur die Verlegezeit. Durch die große variable Decklänge von rund 50 Zentimetern und die geringe statische Belastung reduziert sich auch der Bedarf an Konter- und Traglattung", erläutert Horstmann.

Der Großflächenziegel erwies sich bei der Verlegung als handlich. Innerhalb von fünf Tagen konnte das 540 Quadratmeter große Hallendach inklusive Lattung eingedeckt werden. "Mit dem üblichen Betrachtungsabstand wirkt der Ziegel keineswegs groß", so Warneke. "Seine Strukturierung ist ruhiger als die der Normalformate."

Die Ästhetik kam also auch beim Hallendach nicht zu kurz - nicht nur in der Dachfläche. Den Abschluss des Giebels bildet ein Stirn-Deckelbrett aus Lerche, das zur Firstseite mit einer Zinkkantung wasserdicht hinterlegt wurde.

600.000 Euro für die Gesamtsanierung

Nach knapp vier Jahren war die Sanierung des Herrenhauses im Oktober 2000 abgeschlossen. Die Kosten für die Dach-Sanierung machten mit rund 61.000 Euro nur etwa zehn Prozent des gesamten Aufwandes von rund 600.000 Euro aus. Alle neu eingedeckten Dachflächen bilden den krönenden oberen Anschluss an die restaurierte Fassade.

Biberschwanzziegel auf dem sanierten Herrenhaus "krönen" die traditionsreiche Guts-Anlage Renkhausen.

Handwerkliche Sorgfalt: Schichtstücke aus Blei sind als Nocken in die Deckung eingebunden.

Die Eindeckung der Maschinenhalle unweit des Gutshauses wurde mit dem Großflächenziegel "DS 5" wirtschaftlich ausgeführt. Sie fügt sich harmonisch in das Gesamtbild der Anlage ein.