Schnappauf: Wildnisgedanke macht Schule

Schnappauf: Wildnisgedanke macht Schule

+++ Die Infrastruktur bayerischer Nationalparke ist auch für Hessens ersten Nationalpark Kellerwald-Edersee interessant. Dieses Ergebnis zog Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel nach einer Stippvisite im Nationalpark Bayerischer Wald. Dort informierte ihn Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf über den Baufortschritt des neuen Informationszentrums 'Haus zur Wildnis'. Schnappauf: "Um den Nationalpark-Leitgedanken 'Natur Natur sein zu lassen' mit Leben zu erfüllen, braucht es eine ausgetüftelte Infra-struktur. Nur so gelingt die Symbiose von unberührter Wildnis und wissenshungrigen Besuchern." Bayern hat dem Minister zufolge durch seine langjährigen Erfahrungen bei Nationalparken vieles über Besucherlenkung und Informationsvermittlung gelernt. Und das Konzept ist stimmig. Mit insgesamt 3 Millionen Besuchern jährlich stehen die beiden Nationalparke 'Bayerischer Wald' und 'Berchtesgaden' in der Beliebtheitsskala ganz oben. +++
Nach den Worten Schnappaufs soll der Wildnisgedanke in Bayern Schule machen. Daher wurde 2002 für Kinder- und Jugendgruppen ein 'Wildniscamp am Falkenstein' eröffnet. Fünf Nächte lang dürfen die kleinen Abenteurer in verschiedenen Themenhütten (Baumhaus, Wasserhütte, Wiesenzelt, Lichthaus, Waldzelt) übernachten und lernen tagsüber bei ausgebildeten Pädagogen viel über die Natur. Schnappauf: "Unsere Kinder sind die Naturschützer von morgen. Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass jedes Kind mindestens einmal während seiner Schulzeit in einem bayerischen Nationalpark war." Nach den Worten Schnappaufs geht der in Bayern entwickelte Ansatz, bereits den Kleinen die Liebe zur Natur und Umwelt zu vermitteln, voll auf: Die Wildniswochen sind bei den Schülern das Highlight des Jahres.

Das rund 14 Millionen Euro teure Informationszentrum 'Haus zur Wildnis' wird voraussichtlich im Sommer 2006 fertig gestellt sein. Besucher werden dort in drei Sprachen (deutsch, tschechisch, englisch) über die bayerisch-böhmische Nationalparkregion informiert. In einem 50 Hektar großen Tierfreigelände können große und kleine Naturfreunde Luchse, Wölfe, Wildpferde und Urrinder beobachten und in einer nachgebildeter Steinzeithöhle das Leben unserer Vorfahren erahnen. "Es reicht nicht, mit Gesetzen von oben herab Flora und Fauna schützen zu wollen. Viel wichtiger und wirksamer ist es, bei den Besuchern die Hochachtung vor der Schöpfung zu wecken. Denn was man kennt und schätzt, schützt man auch", so Schnappauf.

Bereits 1982 hat der Freistaat das Informationszentrum 'Hans-Eisenmann-Haus' als erste Anlaufstelle für Gäste im Nationalparks eröffnet. Auf 1.500 Quadratmetern wird den gut 100.000 Besuchern jährlich ein Einblick in die wunderbare Tier- und Pflanzenwelt des Parks gewährt. Anschauungsunterricht der besonderen Art biete das angrenzende Tierfreigelände.

Die Infozentren werden über ein sog. Igelbusse vernetzt. Im ganzen Nationalparkgebiet verkehren diese umweltfreundliche Erdgasbusse im gut aufeinander abgestimmten Taktverkehr. Der öffentliche Personennahverkehr im Nationalpark-Vorfeld wird aus Parkplatzeinnahmen am 'Hans-Eisenmann-Haus' gefördert. Hieraus, so der Minister weiter, stehen für 2005 und 2006 wie in Vorjahren je 100.000 Euro an Zuschüssen zur Verfügung.

Redaktionelle Hinweise:
Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde 1970 mit einer Fläche von 13.300 Hektar eröffnet. Er war damit der erste Nationalpark in Bayern und Deutschland. 1997 wurde er auf 24.250 Hektar erweitert. Der Park ist sowohl als Natura-2000-Gebiet gemeldet als auch offiziell von IUCN (Kategorie II „Nationalparke“) und Europarat (Europadiplomgebiet der Kategorie A) anerkannt. Ein Netz von 300 km Wanderwegen, 200 km Radwegen und 80 km Langlaufloipen bietet ein umfassendes Erholungsangebot.

Der hessische Nationalpark Kellerwald-Edersee ist einer der letzten Urwälder Mitteleuropas in bayerischer Nachbarschaft. Auf einer Fläche von 5.700 Hektar befindet sich hier ein von Menschenhand unberührter Buchenbestand, der seinesgleichen sucht. Der Nationalpark ist der erste in Hessen und der 15. in Deutschland. Er wurde zum 1. Januar 2004 eingerichtet.

Weitere Informationen: http://www.natur.bayern.de

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