Steinbruch und Natur live erleben auf dem Naturerlebnispfad rund um den Steinbruch Nußloch

Steinbruch und Natur live erleben auf dem Naturerlebnispfad rund um den Steinbruch Nußloch
Am 30. September wurde der neue Naturerlebnispfad rund um den Steinbruch Nussloch im Rahmen einer kleinen Feierstunde der Öffentlichkeit übergeben. Der Nußlocher Steinbruch, in dem der Rohstoff für das Leimener Zementwerk der HeidelbergCement AG abgebaut wird, ist auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu finden, denn von den ihn umgebenden Wegen aus ist er so gut wie nicht einsehbar. Für den Biologen Dr. Michael Rademacher liegt auf der Hand, dass „dies natürlich die Neugier und das Interesse der Öffentlichkeit verstärkt - zumal es in der Nähe des Steinbruchs bereits öffentliche Wanderwege gibt, von denen die Spaziergänger aber immer nur einen kurzen Blick auf das Abbaugeschehen erhaschen können. Dass im laufenden Betrieb nicht jeder Besucher umher wandern kann, versteht sich von selbst. Was uns hier fehlt, ist ein Überblick über die Gesamtzusammenhänge im Steinbruch.“

Um dem berechtigten Interesse der Öffentlichkeit am Steinbruch und seinen Abläufen ohne Gefahr entgegen zu kommen und dabei gleichzeitig den Arbeitsablauf so wenig wie möglich zu stören, entstand in Nußloch die Idee für einen Steinbruchlehrpfad. Idee und Umsetzung des Konzepts liegen beim Geologen Dr. Michael Bindig und beim Biologen Dr. Michael Rademacher, beide im HeidelbergCement Technology Center tagtäglich beschäftigt mit den Steinbrüchen des Unternehmens.

Das Interesse an den Steinbrüchen ist überall groß, deshalb veranstaltet HeidelbergCement an allen seinen Standorten regelmäßig Führungen und öffnet an einigen Tagen auch die Steinbrüche ganz für das Publikum. Allein in den Steinbruch Nussloch kamen bei einer solchen Veranstaltung über 20.000 Interessenten, um hautnah mitzuerleben, was hier vor sich geht. Sie lassen sich faszinieren von den großen Abbaumaschinen, den Sprengungen, aber auch von der interessanten Geologie und Biologie. Zusätzlich finden pro Jahr über 40 individuelle Führungen im Steinbruch statt, zu denen Schulen, Universitäten, Naturschutzverbände und Privatleute kommen. Darüber hinaus bietet der Steinbruch im Sommer eine beeindruckende Kulisse für Theateraufführungen, Konzerte und vieles andere mehr.

Interesse besteht bei den unterschiedlichen Gruppen aber nicht nur an dem, was im aktiven Steinbruch geschieht, sondern auch daran, was im Anschluss an den Abbau mit dem Gelände passiert also wie die Renaturierung oder Rekultivierung aussieht. Viele sind überrascht, dass eine Fläche aus naturschutzfachlicher Sicht durch die Renaturierung nach dem Abbau sogar wertvoller wird. Aber auch bei einer Rekultivierung wird das Abbaugebiet hinterher im Sinne des Naturschutzes aufgewertet. Zahlreiche außergewöhnliche Pflanzen und Tiere finden hier ihren Lebensraum, wie beispielsweise der Steinschmätzer, eine selten gewordene Drosselart, die blauflügelige Ödlandschrecke oder Orchideen, die man in freier Natur kaum zu sehen bekommt. „Das ist für mich ein Zeichen, das alles in die richtige Richtung geht“, so Rademacher.

Dies alles in der Öffentlichkeit zu vermitteln kostet nicht nur den Steinbruchmeister, sondern alle Mitarbeiter vor Ort viel Zeit. Auch lassen sich Führungen und Informationsveranstaltungen nicht immer problemlos in den laufenden Steinbruchbetrieb integrieren. So bietet der Lehrpfad eine gute Alternative, um dem großen Interesse am Steinbruch Nussloch gerecht zu werden.

Nachdem die Idee einmal geboren war, kamen zahlreiche Fragen zur praktischen Umsetzung auf. So sollte der aktive Teil des Steinbruchs durch den Pfad möglichst nicht tangiert werden, aber welche bestehenden Wegenetze lassen sich hierfür nutzen? Wie können die Wege für die Besucher gesichert werden, wo muss Natur geschützt sein? Welche Alternativstrecken lassen sich finden? Erst nachdem diese Fragen beantwortet waren, wurde im Herbst 2004 eine Karte mit verschiedenen Streckenführungen erstellt, die dann einer größeren Expertengruppe als Diskussionsgrundlage diente. „Auch das Thema Sicherheit“, so Dr. Michael Bindig, „war bei allen Vorüberlegungen für die Wegeführung mit entscheidend, denn die Böschungen und Steilwände des Steinbruchs sind zumeist ungesichert.“

Herzstück des nun neu konzipierten Pfades sind die sogenannten Infopunkte, die an interessanten Stellen auf großformatigen Tafeln Wissen zu den Bereichen Geologie, Biologie, historischer Bergbau, Landwirtschaft und aktiver Abbau vermitteln. „Unser Ziel geht aber“, so Dr. Michael Rademacher, „über die reine Wissensvermittlung hinaus. Wir wollen hier einen richtigen Naturerlebnispfad schaffen, dass heißt, die Nutzer sollen selbst auch aktiv werden können. So gibt es neben den Infotafeln auch interessante Schaustücke wie beispielsweise Bohrkerne aus Muschelkalk oder Klopfpunkte, an denen Besucher ihre eigenen Steine „abbauen“ können.

Da der aktive Teil des Steinbruchs aus Sicherheitsgründen nach wie vor nicht ohne Führung begangen werden darf, wurde der Wanderweg in zwei Strecken aufgeteilt: 2,2 km sind öffentlich begehbar, 2,8 km nur im Rahmen einer Führung. Frei zugänglich ist darüber hinaus ein kurzer Weg, der zu einer neu angelegten Aussichtsplattform führt, von der aus man in den aktiven Steinbruch schauen und auch eine Sprengung gefahrlos miterleben kann.

Dr. Michael Rademacher und Dr. Michael Bindig freuen sich über die Eröffnung des Lehrpfades. „Das Gute an diesem Weg“, so sind sich beide einig, „ist auch dass wir damit nicht nur die Besucher für den Steinbruch begeistern können, sondern sie zugleich auch davon abhalten, in Areale mit besonders schützenswerten Arten hineinzulaufen, in denen sie vielleicht aus Unkenntnis Schaden anrichten würden. So nutzt der Lehrpfad nicht nur den Besuchern, sondern auch der Natur.“

Führungen im Steinbruch werden für interessierte Grup­pen angeboten, wobei die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Weitere Informationen und Anmeldung bei Karin Schleifer; Tel.: 06224 703 -201. Zu Erreichen ist der Steinbruch Nußloch mit der Buslinie 30 (ab Haltestelle Leimen Kurpfalzzentrum bis zur Haltestelle Markgrafenstraße in Nußloch). Von dort ge­langt man nach einem kurzen Fußmarsch direkt an den Steinbruch.