Tag des Wassers
Grundwasser, die unsichtbare Ressource
Hennef/Bonn, 17. März 1998
Ein sperriges Thema haben die Vereinten Nationen für diesen 22. März ausgewählt: Grundwasser, die unbekannte Ressource. Gewiß, Grundwasser ist mit 70 Prozent größter Trinkwasserlieferant in Deutschland, doch im Bewußtsein findet es keinen entsprechenden Niederschlag. Dabei ist es inzwischen mit Pflanzenschutzmitteln, Nitraten und Emissionen aus dem Verkehr belastet und bedürfte mehr Aufmerksamkeit.Als vor einigen Jahren in Südhessen der Wassernotstand ausgerufen wurde, ergriff das Regierungspräsidium Darmstadt Maßnahmen, um den Grundwasserspiegel wieder anzuheben. Seither haben Regenwasserversickerung und Grundwassermanagement - nicht nur in Hessen - einen neuen Stellenwert erhalten. Aber reicht es aus, den Dachabfluß nicht mehr via Kanal in die nächste Kläranlage zu schicken, sondern dem Boden zu überantworten? Versickerungskritiker weisen darauf hin, daß durch verstärkten Wasseranfall im Boden ruhende Altlasten aktiviert und dadurch Grundwasser geschädigt werden könnte.
Die ATV verpflichtete sich seit ihrer Gründung vor 50 Jahren dem Abwasserwesen, um die Gewässer zu schützen. Gewässerschutz gelingt nur bei einer gewissenhaften Berücksichtigung aller möglichen Schadensaspekte. Gefahren-abwehr läßt sich nicht einseitig festlegen, sondern erfordert ein Bündel von Maßnahmen. Deponiesickerwasser-Behandlung gehört ebenso dazu wie Bodenschutz und landwirtschaftliche Klärschlammverwertung. Die gewieften Experten der ATV würden ein gutes Dutzend weiterer Aspekte aufführen, die alle berücksichtigt werden müßten.
Zu 60 Prozent besteht der menschliche Körper aus Wasser. Mensch, gedenke das du aus Staub bist und wieder zu Staub wirst, müßte folglich anders lauten. Weltweit gehen mehr als 80 Prozent aller Erkrankungen auf unhygienische Wasserverhältnisse zurück. Ein Was kümmert mich das? wäre fehl am Platz, denn einmal kennen weder Flüsse noch Grundwasserströme Ländergrenzen, noch ist die Gefahr dauerhafter negativer Beeinflussung in europäischen Kreisen ausgeschlossen. Neuentdeckte Verunreinigungen wie z.B. durch endokrine Stoffe, also Hormone und hormonell wirkende Substanzen, deuten an, daß hier ein ganz neues Feld von Veränderungen der Gewässerqualität entsteht. Oder schon entstanden ist? Geforscht wird nur nach etwas, von dem man eine Ahnung hat. Welche Gefahren mögen wohl bereits existieren, von denen niemand weiß, da nach ihnen nicht gesucht wird?
Vielleicht klingt es dem einen oder der anderen zu sehr nach einer Arbeitsbeschaffungs-
maßnahme für notleidende Chemiker und Labors, doch sollte uns die Ressource Wasser es wert sein, daß auch viele Euros hierfür ausgegeben werden. Bei allem Kostenbewußtsein: Sparen am falschen Platz kann teuer werden.



