Tischler mischen mit auf der Datenautobahn

Tischler mischen mit auf der Datenautobahn
Informations- und Kommunikationstechnologien auf dem Vormarsch

Kleine und mittlere Unternehmen in Europa sind auf dem Feld der sich immer rascher entwickelnden Informations- und Kommunikationstechnologien (IT) noch immer unterrepräsentiert. Das nordrhein-westfälische Tischlerhandwerk hat allerdings mächtig aufgeholt. So ist heute nahezu jeder Betrieb mit EDV-Systemen ausgestattet: 95,2 Prozent verfügen über einen Einzelplatz-PC oder ein Netzwerk mit mehreren Computern. Und auf den Daten-Highway sind die Tischler ebenfalls dabei: Fast zwei Drittel (64,4 %) verfügen über einen Zugang zum Internet. Diese Zahlen belegen nach Ansicht von Alfred Jacobi, Vorsitzender des Fachverbandes Holz und Kunststoff NRW, dass „die Tischlerbetriebe im größten deutschen Bundesland veraltete Wirtschaftsweisen aus Büro und Werkstatt verbannen und mittlerweile über ein hohes Maß an Modernität verfügen“. Der Verband hatte unter seinen Mitgliedsbetrieben eine repräsentative Befragung zur Verbreitung und den Einsatzbereichen aktueller Informationstechnologien durchgeführt.
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die technischen Voraussetzung für den Aufbau einer modernen Bürokommunikation mit der Größe der Betriebe steigen. Kein einziges Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern verzichtet mehr auf die Computerunterstützung und selbst in Kleinstbetrieben mit weniger als 5 Beschäftigten kommen nur 10 Prozent noch ohne PC aus. Genutzt wird die Infrastruktur dabei unter anderem zur Auftragsbearbeitung (86,0 %), Angebots- und Nachkalkulation (75,0 und 61,5 %) sowie zur Personal- und Finanzbuchhaltung (52,0 und 44,7 %). Deutlich wird, dass Tischlerbetriebe sich immer weniger auf herkömmliche Instrumente der Betriebsorganisation und -wirtschaft verlassen. Aus Marketingsicht erfreulich ist zudem die intensive Nutzung des PCs zur Pflege der Kundeninformationen (76,0 %).
Auch die umfassenden Möglichkeiten des computerunterstützten Konstruierens (CAD) setzen sich immer mehr durch. Jeder dritte Betrieb (35,6 %) – bei den mittelgroßen Unternehmen über 10 Beschäftigten sogar jeder zweite (51,2 %) und den Großbetrieben 70 Prozent – arbeiten mit den verschiedenen am Markt erhältlichen Programmen.

Branchensoftware von großer Bedeutung
Beachtliche Bedeutung haben speziell für besondere Belange des Tischlerhandwerks erstellte Softwarelösungen. Sechs von zehn aller PC-Nutzer (60,1 %) setzen solche Programme ein, die von der Speziallösung für kleine Teilbereiche bis hin zu Komplettpaketen für das gesamte betriebliche Geschehen reichen können. Eindeutiger Marktführer unter den reinrassigen Branchensoftware-Paketen ist die Firma OS Datensysteme aus Ettlingen. OSD bedient mit den Programmen Classic und Compact sowie seinen CAD/CNC-Programmen in Nordrhein-Westfalen 34,6 Prozent der PC-Nutzer.
Mit 19,6 Prozent folgt die Firma Kuhnle, Wiernsheim, mit ihrer Software „Kuhnle Holz“ und weiteren Programmen Finanz- und Lohnbuchhaltung. Die ausschließlich im Fensterbau im Einsatz befindlichen Programme der Firma Klaes, Ahrbrück, nutzen 8,4 Prozent. In 5,6 Prozent der PC-Anwender bedienen sich des Programmpakets In-form der Firma In-Software, Karlsbad. Neben diesen vier großen Lösungen werden in rund 40 Prozent der Unternehmen eine Vielzahl von kleineren Programmen und Hilfsprogrammen eingesetzt.

Web-Präsenz ausbauen
Auf dem Vormarsch befindet sich in den nordrhein-westfälischen Tischlerbetriebe das weltweite Medium Internet. Die Kommunikation im World Wide Web und der schnelle Datenaustausch werden vor allem für viele Inhaber größerer Unternehmen unverzichtbar. So fehlt bei Betrieben mit zehn Mitarbeitern und mehr der Internet-Zugang nur noch in Ausnahmefällen.
An oberste Stelle der Nutzungsmöglichkeiten steht erwartungsgemäß die Recherche nach allgemeinen Informationen (83,2 % aller Betriebe mit Internet-Zugang) und Senden und Empfangen von E-Mails (77,6 %). Fast zwei Drittel der Unternehmen (64,8 %) machen Gebrauch von den komfortablen und schnellen Wegen des Online-Bankings an. Für den gewerblich orientierten Internet-Nutzer aus dem Tischlerhandwerk (56,0 %) wichtig sind zudem gezielte Informationen von Lieferanten und Partnern aus Industrie und Handel.
Die Untersuchung macht aber auch Defizite deutlich. So sind die Aktivitäten von Tischlerbetrieben beim Online-Verkauf noch relativ schwach ausgeprägt. Zwar sind Tischlerprodukte aufgrund der individuellen Fertigung sicherlich nicht besonders tauglich für den Internet-Handel. „Allerdings werden noch vielfach die Chancen“, meint Alfred Jacobi, „Unternehmen und Leistungen online bekannt zu machen, nicht genutzt. So verfügen gegenwärtig erst ein Drittel der Betriebe mit Internetzugang über eine eigene Web-Präsenz. Aber auch auf diesem Gebiet werden die Tischler in NRW aufholen, denn weitere 23,9 Prozent planen ihren Online-Auftritt noch im laufenden Jahr.
Bei der Realisierung dieser Absichten bieten der Fachverband und sein Technologie-Zentrum Holzwirtschaft Beratung und umfangreiche Dienstleistungen an. „Insbesondere mit der branchenspezifischen und inhaltlich höchst ausgereiften Internet-Plattform unter ‚www.tischler.de’ stellen wir unseren Mitgliedsbetrieben ein attraktives Portal zur Verfügung“, resümiert Jacobi.
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