Treppengeländer herabgerutscht: Kind stürzte neun Meter in die Tiefe

Treppengeländer herabgerutscht: Kind stürzte neun Meter in die Tiefe

Hauseigentümer sind dazu verpflichtet, Treppengeländer so instand zu halten, dass diese beim Begehen der Stufen sicheren Halt bieten. Sie müssen dagegen nicht dafür sorgen, dass Mieter das Geländer auch gefahrlos hinunterrutschen können. Das hat das OLG Saarbrücken entschieden.Wie der Anwalt-Suchservice berichtet, wohnte ein 12-jähriges Mädchen mit seiner Mutter im zweiten Stock eines Mietshauses. Das Treppenhaus war vom achten Stockwerk bis zum Keller offen. Ein 90 Zentimeter hohes Geländer sicherte die Treppe. Vorrichtungen, die ein Rutschen auf dem Geländer verhinderten, und Schutzeinrichtungen im Treppenhausauge gab es nicht.

Als das Mädchen sich eines Tages mit dem Bauch quer auf das Geländer legte, um herunter zu rutschen, verlor es das Gleichgewicht. Es stürzte kopfüber neun Meter tief in das Treppenhausauge und erlitt schwere Schädelverletzungen. Später verklagte die Verunglückte die Hauseigentümerin. Diese, so meinte sie, habe ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt. Sie hätte das Geländer durch Knöpfe oder Bügel gegen das Rutschen auf dem Handlauf sichern müssen. Außerdem wäre sie verpflichtet gewesen, das Treppenhausauge mit gespannten Netzen zu versehen, die ein Abstürzen verhindert hätten.

Das OLG Saarbrücken entschied in zweiter Instanz wie folgt (Urt. v. 11.07. 06 - 4 U 126/06-36): Der für eine Treppe Verkehrssicherungspflichtige hafte nicht für Schäden, die daraus entstünden, dass das Geländer bestimmungswidrig zum Hinunterrutschen missbraucht werde. Selbst Kindern gegenüber habe die Verkehrssicherungspflicht Grenzen. Bei Gefahren, die deutlich erkennbar seien und sich aufdrängten, dürfe man darauf vertrauen, dass Kinder sich ihnen aus ihrem natürlichen Angstgefühl heraus nicht aussetzten. Es bestehe z.B. auch keine Pflicht, sämtliche Fenster eines Mietshauses zu vergittern, nur weil theoretisch ein Kind hinausfallen könne.

Bei einem offenen Treppenhaus in einem achtgeschossigen Gebäude, so das Gericht, liege die Gefahr des Abstürzens beim Rutschen auf dem Geländer förmlich auf der Hand. Auch für ein 12-jähriges Kind sei die Gefahrenquelle offensichtlich. Die Hauseigentümerin habe daher darauf vertrauen dürfen, dass Kinder sich ihrem natürlichen Angstgefühl entsprechend verhalten und das Geländer nicht hinunterrutschen würden. Der Bundesgerichtshof hat nun über die Zulassung der Revision zu entscheiden.