Ãœber ein Jahrhundert blau

Ãœber ein Jahrhundert blau

111 Jahre alt ist die Elbbrücke jetzt, die seit 1893 die beiden heutigen Dresdner Stadtteile Loschwitz und Blasewitz verbindet. Der Volksmund bezeichnet sie als „Blaues Wunder“.Dass die Brücke ursprünglich grün gestrichen war und sich dann blau verfärbt hat, wie es die Legende will, stimmt nicht. Blau war sie immer, und das Wunderbare dieses Bauwerks liegt in der einzigartigen Kühnheit seiner Konstruktion ein ingenieurtechnisches Meisterwerk: Was wie eine Hängebrücke aussieht, ist ein selbsttragendes Fachwerkstrebengefüge aus 3000 Tonnen Stahl, das die Elbe ohne Strompfeiler überspannt. Insgesamt ist die Brücke 280 Meter lang, der Abstand zwischen den Trägertürmen beträgt 147 Meter. Eine mehrschichtige Lackierung schützt den Stahl vor Korrosion.

Dass dieses auch heute noch beeindruckende Bauwerk sein hohes Alter erreichen konnte, ist hauptsächlich auf zwei Gründe zurückzuführen. Der eine: 1945 verhinderten zwei beherzte Handwerker Erich Stöckel und Paul Zickler die vorgesehene Sprengung, indem sie, unter Einsatz ihres Lebens, die Leitungen aus einer Sammelbatterie herauszogen.

Der andere Grund: Die Beschichtung der Brücke wurde immer sorgsam gepflegt. Letzte größere Ausbesserungsarbeiten fanden 1990-1992 statt. Weitere vorsorgende Instandsetzungsmaßnahmen sind für 2005-2006 vorgesehen, und 2015 soll eine Komplettsanierung erfolgen, damit die Brücke auch noch weitere Jahrzehnte ihren Zweck erfüllen kann.

So ist das „Blaue Wunder“ von Dresden ein vorbildliches Beispiel für Werterhaltung. „In jedem Jahr“, rechnet das Deutsche Lackinstitut (DLI), Frankfurt/Main, vor, „gehen in westlichen Industrieländern zwischen drei und fünf Prozent des Bruttoinlandproduktes verloren, weil Bauwerke und teile nur unzureichend oder gar nicht durch Lackierung vor Witterungseinflüssen wie Nässe und UV-Strahlung geschützt werden. Allein in Deutschland entstehen jährlich Schäden in Höhe von etwa 80 Milliarden Euro die sich durch vorbeugende Instandsetzungsmaßnahmen, also schützende Beschichtungen, verhindern ließen“.