Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn: Noch immer können geschützte Tiere in NRW nicht aufatmen

Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn: Noch immer können geschützte Tiere in NRW nicht aufatmen

Das Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft teilt mit:

Kontrollen der Überwachungsbehörden bei Händlern und Privatleuten in Nordrhein-Westfalen haben im Jahr 1995 wieder eine Vielzahl von Verstößen gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen aufgedeckt. 967 Tiere, wie etwa Graupapagei, Gerfalken und Königspython, mußten beschlagnahmt und eingezogen werden."Wir alle sollten uns dafür einsetzen, daß die Artenvielfalt auf unserer Erde nicht noch weiter zerstört wird. Exotische Pflanzen und Tiere, die von der Ausrottung bedroht sind, müssen in der Natur bleiben und gehören nicht in die Hände von Privatpersonen. Gegen die skrupellosen Händler und Souvenirjäger, die gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen verstoßen und sich als Plünderer der Natur betätigen, werden die Behörden in unserem Land auch weiterhin konsequent vorgehen", sagte Umweltministerin Bärbel Höhn in Düsseldorf.

Die nordrhein-westfälischen Behörden führten im letzten Jahr 2143 Kontrollen bei privaten Haltern und gewerblichen Anbietern von geschützten Tieren und Pflanzen wie z.B. Zoohandlungen, Pelzgeschäften und Greifvogelhändlern, durch. Die Zahl der beschlagnahmten Tiere hat gegenüber dem traurigen Rekord von 1993, als 1.725 Tiere eingezogen werden mußten, stark abgenommen, doch sie bleibt weiterhin zu hoch. Wegen der Verstöße gegen das Artenschutzrecht wurden insgesamt 234 Ordnungswidrigkeits- und 9 Strafverfahren eingeleitet.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen enthält eine Liste von Tieren und Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind und mit denen deshalb nicht gehandelt werden darf. Für Verstöße gegen das Abkommen können Bußgelder bis zu 100.000 DM und Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren verhängt werden.

Die Schwerpunkte des illegalen Handels bilden nach wie vor seltene Papageienarten, Greifvögel und Reptilien. Doch nicht nur lebend finden exotische Tiere in NRW immer noch Käufer. Auch die Felle und Häute geschützter Tiere werden zu Taschen, Schuhen und Pelzmänteln verarbeitet und als Luxusartikel teuer verkauft. Unter den geschützten Pflanzen sind beispielsweise die Orchideen begehrt. Von den 35.000 Orchideenarten sind viele vom Aussterben bedroht, doch sie werden trotzdem von Sammlern im Urwald ausgegraben oder abgeschnitten und nach Deutschland geschmuggelt.

Bedauerlicherweise bleibt Nordrhein-Westfalen ein lukrativer Markt für den illegalen Handel mit geschützten Tieren. Dazu trägt entscheidend die Grenznähe und die hohe Bevölkerungszahl bei, die einen großen Absatzmarkt bietet. Viele Tierhändler werden auch über die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf versorgt.

Rechtmäßig können Käufer geschützte Exemplare erwerben, wenn diese nicht aus der Natur stammen, sondern nachgezüchtet sind. Dann belegt ein Dokument, eine sog. CITES-Bescheinigung, die Herkunft der Tiere und Pflanzen. Käufer sollen deshalb darauf achten, daß ihnen ein solches Dokument ausgehändigt wird.