Umweltministerin Bärbel Höhn stellt neues Konzept zur Überwachung der Luftqualität in Nordrhein-Westfalen vor

Umweltministerin Bärbel Höhn stellt neues Konzept zur Überwachung der Luftqualität in Nordrhein-Westfalen vor

Das Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft teilt mit:

Das Meßnetz zur Überwachung der Luftqualität in Nordrhein-Westfalen wird in den kommenden Jahren grundlegend umstrukturiert. Die Schadstoffbelastung der Luft ist in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen, so daß das Überwachungssystem darauf abgestellt werden soll. Das Netz der TEMES-Stationen wird ausgedünnt, aber in seiner vollen Überwachungsleistung erhalten. Zusätzlich werden verstärkt mobile Meßeinrichtungen eingesetzt, mit denen auf aktuelle Situationen schneller reagiert werden kann."Das neue Konzept ist eine wichtige Voraussetzung, um zu einer weiteren Senkung von Luftschadstoffen zu kommen. Dabei müssen wir uns verstärkt um solche Stoffe kümmern, die zwar nur in geringen Mengen ausgestoßen werden, die aber besonders gefährlich oder sogar krebserregend sind", betonte die Ministerin in Düsseldorf. "Mit unserem neuen, flexiblen Meßsystem können wir aktuell da arbeiten, wo wir gebraucht werden."

Im Jahr 1977 hatte Nordrhein-Westfalen mit dem Aufbau eines Netzes sogenannter TEMES-Meßstationen begonnen, das zur Zeit 76 ortsfeste Einrichtungen zur großflächigen Überwachung der Luftqualität umfaßt. Die Stationen wurden vorrangig in den stark industriell geprägten Ballungsgebieten des Ruhrgebietes und der Rheinschiene aufgestellt. An diesen Stationen werden rund um die Uhr vollautomatisch die Immissionskonzentrationen verschiedener Luftschadstoffe gemessen. Die aktuellen Daten werden minütlich über Standleitungen der Post an den zentralen Rechner im Landesumweltamt in Essen übertragen. Sie sind über Videotext im WDR-Fernsehen und zum Teil via Internet rund um die Uhr abrufbar.

Seit Mitte der 80er Jahre ist der Ausstoß der klassischen Schadstoffe im industriellen und gewerblichen Bereich erheblich zurückgegangen. Lag z.B. die Belastung der Luft mit Schwefeldioxid im Rhein-Ruhrgebiet im Jahr 1964 noch bei einem Jahresmittelwert von über 200 Mikrogramm/m3, wurden im Jahr 1995 nur noch 15 Mikrogramm gemessen. Auch für die anderen "klassischen" Luftschadstoffe Schwebstaub, Stickstoffdioxid und Stickstoffmonoxid wurden die bisher niedrigsten Jahresmittel-werte seit Beginn der Messungen in Nordrhein-Westfalen in den 60er Jahren registriert.

Damit entfällt die Notwendigkeit eines besonders dichten Netzes von Meßstationen, wie es in industriellen Kerngebieten mit örtlich sehr unterschiedlichen Immissionsbelastungen erforderlich war. Das Netz der ortsfesten Meßstationen kann daher zukünftig auf 54 Einrichtungen reduziert werden, ohne daß die Qualität der Luftüberwachung beeinträchtigt wird.

"Mit dem neuen Konzept zur Überwachung der Luftqualität tragen wir der veränderten Schadstoffbelastung und den aktuellen Erkenntnissen über die Gesundheitsge-fährdung Rechnung, die von diesen Substanzen ausgeht", erläuterte die Ministerin. So seien die Emissionen des Kfz-Verkehrs zunehmend in den Vordergrund getreten. Insbesondere müsse die Aufmerksamkeit aber verstärkt auf die Schadstoffe gerichtet werden, die zwar nur in geringen Mengen auftreten, aber ein besonders hohes Wirkungspotential aufweisen. Deshalb werden zukünftig verstärkt auch krebserregende Stoffe, giftige organische Verbindungen und Stäube wie z.B. Benzol, PCB´s und Dioxine erfaßt. Dazu werden auch Sondermessungen durchgeführt. Koordiniert und ausgeführt werden die Luftüberwachungen im Essener Landesumweltamt. .