Verbraucherverband fordert Aufklärung von Wulf Bernotat

Verbraucherverband fordert Aufklärung von Wulf Bernotat

(22. September 2004) - In einem offenen Brief hat der Bund der Energieverbraucher heute von E.on-Chef Wulf Bernotat eine Begründung für die Strompreiserhöhungen der E.on der vergangenen vier Jahre verlangt. Angesichts der gleichzeitig steigenden Gewinne könnten diese Preissteigerungen nicht nachvollzogen werden.

Bernotat hatte in den vergangenen Tagen Verbraucherschützern unerträgliches Polemisieren mit falschen Zahlen vorgeworfen. „Nun sollte Herr Bernotat uns endlich die richtigen Zahlen für sein Unternehmen vorlegen, so dass die Verbraucher und die Öffentlichkeit konkret nachvollziehen können, warum die Preise in der Vergangenheit angehoben wurden und wofür E.on dieses Geld verwendet hat. Die Diskussion sollte versachlicht werden", führte dazu der Vereinsvorsitzende Dr. Aribert Peters aus.

„Derjenige, der die Preise festsetzt, kennt am besten die dafür maßgebenden Umstände, so dass er sie ohne weiteres darlegen und gegebenenfalls beweisen kann", schreibt dazu der Bundesgerichtshof (Az. VIII ZR 111/02 Urteil vom 5. Februar 2003).
Offener Brief an Dr. Wulf Bernotat

Herrn Dr. Wulf H. Bernotat

persönlich

E.on Energie AG

Brienner Str. 40 80 333 München

Sehr geehrter Herr Bernotat,

Sie werfen Verbraucherschützern öffentlich vor, mit falschen Zahlen und unzulässigen Verallgemeinerungen zu polemisieren. Ich bin Ihnen außerordentlich dankbar dafür, dass die öffentliche Kritik an der auch von Ihrem Unternehmen angekündigten Preiserhöhungen Sie zu einer direkten Reaktion an unsere Adresse veranlasst hat. Denn das gibt mir die Gelegenheit, Sie im Interesse einer Versachlichung der öffentlichen Diskussion zu einer Offenlegung Ihrer Strompreis-Kalkulationsgrundlagen aufzufordern.

E.on hat wie die ganze übrige Strombranche seit dem Jahr 2000 stetig die Strompreise angehoben um etwa einen halben Cent jährlich über die steigenden staatlichen Steuern und Abgaben hinaus.

Eine nachvollziehbare Begründung dafür haben Sie Ihren Kunden bisher nicht gegeben, etwa eine Berechnung, um welchen Prozentsatz die Brennstoffkosten Ihrer Kraftwerke konkret gestiegen sind. Denn E.on bezieht den Strom ja nicht von der EEX sondern ist selbst der größte Stromerzeuger Deutschlands.

Wir würden gerne von Ihnen wissen, wo die in den Haushaltstarifen einkalkulierten Abschreibungen auf vorhandene Kraftwerke und Leitungsinfrastruktur von Ihnen verbucht wurden, was Sie mit diesen Beträgen gemacht haben. Wie hoch waren die Kosten der Nettosubstanzerhaltung, die Sie von Tarifkunden in den zurückliegenden Jahren erhalten haben. Und wo sind diese Beträge geblieben?

Die schrittweise Erhöhung der Ökosteuer ist keine Erklärung für die höheren Beträge, die Verbraucher über die Ökosteuer hinaus an ihre Stromversorger zu zahlen haben.

Meine Fragen beziehen sich ausschließlich auf die seit dem Jahr 2000 ständig steigenden Beträge, die Kunden unabhängig von den staatlichen Steuern und Abgaben an ihre Stromversorger zu zahlen haben. Für diese tragen allein die Versorgungsunternehmen die Verantwortung. Es geht dabei um Beträge in zweistelliger Milliardenhöhe. Diese scheinen in einem ursächlichen Zusammenhang mit den ebenso steigenden Gewinnen der Energieversorger zu stehen.

Es ist für Verbraucher nicht nachvollziehbar, wie die von Jahr zu Jahr steigende Gewinne Ihres Unternehmens mit den Strompreissteigerungen in Einklang zu bringen sind. Steigende Gewinne in einem Monopolbetrieb sind kein Zeichen effizienten Wirtschaftens sondern vielmehr überhöht kalkulierter Preise.

Sehr geehrter Herr Bernotat,

ich bin in den vergangen Wochen sehr oft von Journalisten gefragt worden, wieso die Strompreise ständig steigen. Diese Frage hat mich stets in Bedrängnis gebracht, weil ich es einfach nicht glauben kann, dass Unternehmen derartig rücksichtslos ihren im Monopol gefangenen Kunden in die Tasche greifen. Ihr ehemaliger Kollege, der EnBW-Vorsitzende Herr Goll, sprach in diesem Zusammenhang von „Betrug" und „Abzocke". Mir liegt diese Wortwahl nicht.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir aus meiner Beklemmung heraushelfen, indem Sie mir und der Öffentlichkeit nachvollziehbar darlegen, wieso Ihr Unternehmen in den vergangenen vier Jahren die Strompreise überhaupt angehoben hat. Diese Frage bezieht sich auf die drei Bereiche Stromerzeugung, Stromverteilung und Stromvertrieb Ihres Konzerns.

Bitte legen Sie Ihre Kalkulationsgrundlagen offen. Damit wirken Sie im übrigen auch dem entgegen, dass sich ihre Kunden unter Berufung auf die fehlende Billigkeit ihrer Strompreise von Ihnen genau diesen Nachweis einfordern und bis dahin weitere Zahlungen verweigern.

Mit freundlichem Gruss

Dr. Aribert Peters

Vorsitzender.