VOB/B § 2 Nr.3 (2) Mehrmengen und warum es in der Regel nicht billiger wird

VOB/B § 2 Nr.3 (2) Mehrmengen und warum es in der Regel nicht billiger wird
Kommentar von Dipl.-Ing. (FH) Michael Floerecke - Beratender Ingenieur und Freier Sachverständiger für Baupreisbildung und technische VOB-Fragen - Mitglied des BVMB-Beraterteams
15.12.2005

Die häufigste Ursache für die Überschreitung der Ausführungsmengen - wie auch bei der Unterschreitung - sind ungenaue Massenermittlungen und/oder Planungsfehler. Die VOB/B geht allerdings davon aus, dass in der Planungsphase nicht alle Bauumstände und -zustände oder abweichende Bodenarten vorhersehbar sind und folglich auch nicht die Ausführungsmengen immer exakt bestimmt werden können. Um den Bieter davon abzuhalten, besondere Zuschläge für Risiken einzurechnen, die nicht in seinem Verantwortungsbereich liegen, wurde im § 2 Nr. 3 der VOB eine Preisanpassungsmöglichkeit vorgesehen, die bei Abweichungen der Vordersätze um mehr als 10% gefordert werden kann. Eine schriftliche Anmeldung etwaiger Mehrmengen während der Bauphase ist - wenn sie überhaupt schon bekannt sind - nicht zwingend erforderlich.

Voraussetzung ist, dass der Auftraggeber nicht eingegriffen hat, d.h. dass sich die Mehrmengen aus den „äußeren Umständen“ einer Baumaßnahme ergeben und nicht auf einer Anordnung des Auftraggebers beruhen.

Der Auftraggeber ist es in der Regel, der bei Überschreitung der Ausführungsmengen eine Preisanpassung für die über 110% hinausgehende Menge einzelner Positionen fordert, zumal er davon ausgeht, dass bei einer Neuverteilung der Gemeinkosten auf eine größere Ausführungsmenge die Einheitspreise sinken. Diese Fehleinschätzung führt dann häufig zu Auseinandersetzungen.

Im Gegensatz zur Unterschreitung nach VOB/B § 2 Nr. 3 (3) geht es hier nicht um den Ausgleich von Baustellengemeinkosten, Allgemeinen Geschäftskosten und Wagnis & Gewinn, sondern um die Vergütung aller Mehr- und Minderkosten, die sich aus den Mengenabweichungen ergeben.

Der Zuschlag für Allgemeine Geschäftskosten und „Wagnis & Gewinn“ sind unabhängig von den Ausführungsmengen einer einzelnen Baumaßnahme. Sie werden aus dem Vorjahresumsatz ermittelt und bestimmen damit den Deckungsbeitrag für das folgende Wirtschaftsjahr.

Bei den Baustellengemeinkosten hingegen könnte sich eine Reduzierung des Einheitspreises ergeben, wobei zu prüfen ist, ob nicht zur Ausführung größerer Mengen zusätzliches Personal und/oder zusätzliche Bauzeit erforderlich wurden. Dies kann zur Folge haben, dass die Einheitspreise wiederum nach oben korrigiert werden müssen. Fehlende Baustellengemeinkosten aus gekündigten und unterdeckten Positionen sind in jedem Fall bei einer „Überdeckung“ zu berücksichtigen.

Eine Reduzierung des Einheitspreises könnte jedoch sich ergeben, wenn sich aufgrund erheblicher Mehrmengen größeres und leistungsfähigeres Gerät einsetzen lässt oder bei einem größeren Materialbedarf günstiger eingekauft werden kann. Voraussetzung ist allerdings, dass die hiervon betroffenen Leistungen und Mengen von vorn herein bekannt sind, damit sich der Auftragnehmer auch darauf einstellen kann.

Steht dem Auftragnehmer nur die ausgeschriebene Materialmenge (+ 10%) zur Verfügung und lassen sich zudem die Fehlmengen nur durch Zukauf bei anderen (teureren) Lieferanten mit ggf. höheren Transportkosten beschaffen, dann sollte er die Mehrkosten rechtzeitig schriftlich ankündigen, damit dem Auftraggeber die Möglichkeit der Selbstübernahme nach VOB/B § 2 Nr. 4 bleibt. Eine solche Anzeige bewirkt allerdings, dass der Auftraggeber dann eine Anordnung treffen muss, mit der Folge, dass die Vergütung nach § 2 Nr. 5 für geänderte Leistungen unter Berücksichtigung der Mehr- und Minderkosten zu vereinbaren wären.

Mengenmehrungen haben verschiedenartige Ursachen, deren Auswirkung noch vor einer unüberlegten Forderung nach Preisanpassung gem. VOB/B § 2 Nr. 3 (2) abzuklären ist.

Merke: In der Regel wird´s nicht billiger!