Was sind Flachsfasern ?

Flachs ist teilweise eher unter dem Namen Leinen bekannt.

Die Flachsfaser ist die Faser aus der Flachs- bzw. Leinpflanze. Lange Zeit wurde die Flachsfaser durch die Baumwolle verdrängt. Als ökologische Naturfaser gewinnt sie heute jedoch wieder zunehmend an Bedeutung. Aus Funden ist heute bekannt, dass Flachs bereits vor rund 7.000 Jahren systematisch verarbeitet wurde. So wurden ägyptische Mumien in Leinenstreifen gehüllt. Über einige Jahrtausende war Flachs neben Wolle das dominierende Material für Kleidung. Bis ins 18. Jahrhundert waren 18 % der verarbeiteten Fasern aus Flachs.

Ursprungsprodukt ist die Flachspflanze. Aus ihr wird die Flachsfaser gewonnen. Bei der Ernte werden die Leinpflanzen mit speziellen Maschinen mitsamt der Wurzel aus der Erde gerissen. Nach einem besonderen Verfahren, das Rösten genannt wird, bleiben als Endprodukt die Flachsfasern übrig und können weiterverarbeitet werden. Dabei wird zwischen Kurz- und Langfasern unterschieden. Es gibt unterschiedliche Formen der Weiterverarbeitung. Eine sehr verbreitete Form ist das Spinnen. Dabei werden die Fasern zu Fäden versponnen. Eine andere Form der Weiterverarbeitung ist das traditionelle Weben.

Flachsgewebe wird traditionell für Bett- und Hauswäsche verwendet. Die Faser ist glatt und flusenfrei und kaum anfällig gegen Schmutz und Bakterien. Flachs kann bis zu 35 % Luftfeuchtigkeit aufnehmen und hat die Fähigkeit, diese Feuchtigkeit schnell mit der Umgebungsluft auszutauschen. Damit wirkt Leinen kühlend und ist dennoch trocken wärmend. Es ist darum ideal als Sommerkleidung geeignet. Auch für Kleidung und Dekorationsstoffe kommt Flachsgewebe in Frage. Bei Bucheinbänden wird Flachsgewebe auch als Bezugsstoff verwendet. Die Leinwände in der Malerei haben ihren Namen vom Leinenstoff, der als Material zum Bespannen benutzt wird. Ein großer Einsatzbereich von Flachsfasern sind Naturdämmstoffe. Diese werden als Matten oder Platten hergestellt. Flachsfasern werden in der Baustoffklasse B2 eingestuft, d. h. sie sind normal entflammbar.

Der vermutlich größte Anwendungsbereich von Flachsfaser liegt im Bereich der Naturfaserverbundwerkstoffe. Weil die Flachsfaser gute mechanische Eigenschaften aufweist, wird sie gerne als Verstärkungsfaser verwendet. Ganz besonders im Bereich der Automobilindustrie bestehen zwei Drittel der dort eingesetzten Naturfasern aus Flachsfasern. Dabei werden die Flachsfasern zusammen mit duroplastischen oder thermoplastischen Kunststoffen zu einer bestimmten Form verpresst. So ist es naheliegend, dass Flachsfasern auch in Kunststoffgranulaten in der Spritzgussverarbeitung zum Einsatz kommen. Ihr Vorteil ist, dass sie eine geringe Dichte bei gleichzeitig hoher Festigkeit und Steifigkeit aufweisen. Der Anbau von Flachs ist ökologisch nachhaltig und CO-neutral. Zudem ist Flachs medizinisch unbedenklich. Damit hat Flachs ein großes Verdrängungspotenzial gegenüber den glasfaserverstärkten und gefüllten Kunststoffen.
Der Anteil von Flachs am weltweiten Faseraufkommen liegt heute bei rund 2 Prozent. Dabei besitzt China mit weitem Abstand die größten Anbauflächen weltweit.