Wetterderivate für ein finanziell sicheres Fundament

Schlechtes Wetter ist oft eine schlechte Nachricht für die Bauwirtschaft. Projekttermine, die nicht eingehalten werden können, ziehen höhere Kosten und Sanktionszahlungen mit sich. Bauarbeiter müssen bezahlt werden, obschon keine Arbeit geleistet werden kann. Unerwartete Wetterereignisse können signifikante finanzielle Verluste bedeuten und das Phänomen des Klimawandels macht das Wetter immer unvorhersehbarer. Die Gewinne schmelzen dahin wie der Schnee in der Sonne. Wetterderivate können hier Abhilfe leisten. Wetterderivate sind neuartige Risikomanagementinstrumente, welche es der Bauwirtschaft ermöglichen, sich einfach und effizient gegen die finanziellen Folgen von Wetterrisiken abzusichern.

Das Wetter beeinflusst unseren Tagesablauf, unsere Freizeitgestaltung und manchmal auch unsere Laune. Darüber hinaus hat der Wetterverlauf aber auch einen signifikanten Einfluss auf die Gewinne diverser Industrien und ist somit ein wichtiger Faktor in der Volkswirtschaft. Besonders abhängig vom Wetterverlauf ist die Bauwirtschaft. Insbesondere anhaltende Regen- und Kaltwetterperioden haben einen starken Einfluss auf den Verlauf eines Bauprojektes und somit auf die Wirtschaftlichkeit. Unerwartete Wetterereignisse können die Projekte verzögern und substanzielle Strafzahlungen zur Folge haben. Der Einsatz von temporär notwendigen Schlechtwettermassnahmen ist oft mit hohen Mehrkosten verbunden. Bauarbeiter müssen bezahlt werden, obschon keine Arbeit geleistet werden kann. Die damit zusammenhängenden staatlichen Schlechtwetter-Gelder decken zwar kurzfristig diese Kosten, sind aber mit grossem administrativem Aufwand verbunden. Mit der globalen Erwärmung wird der Wetterverlauf in Zukunft noch unvorhersehbarer. Die Ereignisse wie Hitzeperioden, Überschwemmungen, Stürme oder Trockenheit werden noch häufiger und extremer. Im Grossen bleibt das Wetter unberechenbar und unbeeinflussbar.

Gemäss dem neusten Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change, der zu einer der wichtigsten Schriften zum Thema globaler Erderwärmung zählt, sind die durchschnittlichen Temperaturen in der nördlichen Hemisphäre zwischen 1979 und 2005 um ungefähr 1.5 Grad angestiegen. Darüber hinaus wird vermutet, dass sich die Längen der Jahreszeiten verändert haben. So soll sich die kalte Jahreszeit über die letzten 50 Jahre um zwei Wochen verkürzt haben. Für die Bauwirtschaft bedeutet dies zwar eine verlängerte Bausaison im Sommer. Dennoch haben diese Veränderungen das Wetter mit häufigeren Stürmen und massiven Regenfällen gleichzeitig extremer und unvorhersehbarer gemacht, was wiederum auch für die Bauwirtschaft belastend ist und negative finanzielle Auswirkungen mit sich bringt.

Bisher haben die betroffenen Betriebe versucht, sich über produktionstechnische Massnahmen oder Versicherungskontrakte abzusichern oder haben staatliche und administrativ aufwändige Schlechtwetter-Gelder in Anspruch genommen. Spezifisch auf die Wetterrisiken ausgerichtete Finanzinstrumente standen lediglich grösseren Unternehmen, vor allem im Energiesektor, zur Verfügung. Mit der Einführung von niedrigeren Mindestprämien bei Wetterderivaten sind nun auch kleinere und mittlere Betriebe in der Lage, ihre Risiken mit geringem Aufwand abzusichern.

Unbürokratische Risikoabsicherung für die Bauwirtschaft

Wetterderivate sind finanzielle Absicherungsgeschäfte, die Unternehmen gegen Wetterrisiken schützen. Die Absicherung mit Wetterderivaten ist dann möglich, wenn der Betrieb seine Wetterrisiken quantifizieren kann. Das Prinzip ist einfach zu erklären. In einer typischen Transaktion erhält der Derivatkäufer eine Barzahlung vom Derivatverkäufer, falls in einer bestimmten, zuvor vereinbarten Periode mehr als eine ebenfalls im Vorfeld definierte Menge Niederschlag an der festgelegten Wetterstation gemessen wird.

Ein Schaden braucht dem Derivatverkäufer nicht nachgewiesen werden. Die Auszahlung richtet sich nach den unabhängigen Messwerten der definierten Wetterstation. Damit wird eine Schadensbemessung hinfällig. Dies spart den administrativen Aufwand und somit Kosten für alle Beteiligten. Die Idee ist, dass die Baufirma im Falle einer starken Regen (- oder Kälte) periode eine Barzahlung erhält, die einen Verlust aufgrund der Projektverzögerungen kompensiert. Auf diese Weise können auch auf andere Ereignisse wie Frost Wetterderivate kreiert werden.

Neue innovative Marktteilnehmer haben die Vorteile der Derivate gegenüber Versicherungen zusätzlich verstärkt, indem sie Internet-Plattformen lancieren. Mit standardisierten Indizes und Strukturen machen sie die Absicherung schneller, einfacher und transparenter. Das Marktinteresse an diesen Online-Plattformen für derivative Wetterkontrakte war bei der Einführung 2007 enorm. CelsiusPro.com ist der erste europäische Wetterderivatspezialist, der eine breite Palette an massgeschneiderten Wetterderivaten für eine grosse Anzahl Europäischer Wetterstationen auf einer transparenten Internet-Plattform anbietet. Bauherren können hier individuell die Vertragsparameter wie Wetterstation, Kontraktart, Risikoperiode, Auszahlung eingeben. Anschliessend werden die Kosten für das Derivat automatisch berechnet. Die Transaktion kann online abgeschlossen werden.

Finanzieller Wettbewerbsvorteil durch Wetterderivate

Obschon die Bauwirtschaft stark vom Wetter beeinflusst wird, steckt der Gebrauch von Wetterderivaten noch in den Kinderschuhen. Insbesondere in Europa greifen Unternehmen noch selten auf solche Absicherungskontrakte zurück. Stattdessen zahlen sie hohe Versicherungsprämien mit komplizierten und aufwändigen Schadenfallprozeduren. Betrachtet man die Vorteile und die Ergebnisse, die Wetterderivate in den letzten 10 Jahren bereits der Energiewirtschaft gebracht haben, ist zu erwarten, dass bald auch andere, wetterabhängige Wirtschaftszweige dieses Risikomanagementinstrument nutzen werden. Gerade die Bauwirtschaft dürfte früher oder später vermehrt auf dieses effiziente Instrument zurückgreifen. In der Bauwirtschaft herrscht ein hoher Wettbewerbsdruck und der Einsatz innovativer Instrumente, in der Produktion und im Finanzmanagement, gewinnt an Bedeutung. Hinzu kommt, dass die Klimaveränderung für die Bauwirtschaft zu einem noch wichtigeren Thema wird. Die Zeichen stehen also gut, dass die Bauwirtschaft bald die Vorteile der Wetterderivate erkennen und nutzen wird. Wetterderivate machen zwar die Projekterstellung nicht schneller und termingerechter – aber mit Bestimmtheit finanziell sicherer.

Autor: Mark Rüegg, CEO, CelsiusPro AG

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