Zweites Schreiben der Verbraucher an Wulf Bernotat

Zweites Schreiben der Verbraucher an Wulf Bernotat

E.on AG Herrn Dr. Wulf Bernotat - persönlich E.on-Platz 1 40479 Düsseldorf

Per FAX: 0211 45 79 501

Rheinbreitbach, den 06. Oktober 2004

Betreff: Strompreiserhöhungen, mein Schreiben vom 22. September

Sehr geehrter Herr Dr. Bernotat,

am 22. September 2004 habe ich Sie persönlich um Aufklärung der hohen Strompreisanstiege gebeten. Bedauerlicherweise haben Sie bisher nicht einmal den Eingang meines Schreibens bestätigt. Deshalb füge ich dieses Schreiben nochmals bei und wäre für eine umgehende Bestätigung des Eingangs dieses Schreibens dankbar. Ihre öffentlichen Äußerungen zu den Strompreisanstiegen der vergangenen Jahre sind in diesem Zusammenhang nicht besonders erhellend. Denn meine Frage bezieht sich auf den Anstieg der um Steuern und Abgaben bereinigten Strompreise seit dem Jahr 2000. Dieser Anstieg ist eben nicht durch höhere Steuern und Abgaben bedingt. Hier ständig über gestiegene Steuern zu reden, geht an der Frage und auch an dem Thema vorbei.

Firmen reden nicht gerne über Preise und Kosten, das ist verständlich. Jedoch sind Sie anders als BMW oder Porsche nicht in einem freien Markt tätig, sondern in einem weitgehend von Monopolen und Oligopolen bestimmten Markt. Diese Situation wurde auch ganz wesentlich von Ihnen gewollt und herbeigeführt. Den Wettbewerb gibt es nicht bei der Letztverteilung von Strom und Erdgas, nicht bei den Übertragungsnetzen. Und es gibt ihn nur sehr eingeschränkt bei der Stromerzeugung und den regionalen Verteilern.

Im Monopol muss sich aber der Monopolist für seine Preise durchaus rechtfertigen. Nach dem Gesetz vor den Kartellbehörden. Und auch den Kunden, Verbrauchern und der Öffentlichkeit gegenüber, wenn der Anschein dafür spricht, dass die Monopolsituation zum eigenen Vorteil ausgenutzt wurde.

Deshalb, Herr Bernotat erwarten wir eine Antwort mit konkreten Zahlen von Ihnen. Über eine Äußerung bis zum 30. Oktober 04 wäre ich Ihnen dankbar.

Mit Dank und freundlichem Gruß

Dr. Aribert Peters

Anlage: Schreiben vom 22. September 04

22. September 2004

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Bernotat,

Sie werfen Verbraucherschützern öffentlich vor, mit falschen Zahlen und unzulässigen Verallgemeinerungen zu polemisieren. Ich bin Ihnen außerordentlich dankbar dafür, dass die öffentliche Kritik an der auch von Ihrem Unternehmen angekündigten Preiserhöhungen Sie zu einer direkten Reaktion an unsere Adresse veranlasst hat. Denn das gibt mir die Gelegenheit, Sie im Interesse einer Versachlichung der öffentlichen Diskussion zu einer Offenlegung Ihrer Strompreis-Kalkulationsgrundlagen aufzufordern.

E.on hat wie die ganze übrige Strombranche seit dem Jahr 2000 stetig die Strompreise angehoben um etwa einen halben Cent jährlich über die steigenden staatlichen Steuern und Abgaben hinaus.

Eine nachvollziehbare Begründung dafür haben Sie Ihren Kunden bisher nicht gegeben, etwa eine Berechnung, um welchen Prozentsatz die Brennstoffkosten Ihrer Kraftwerke konkret gestiegen sind. Denn E.on bezieht den Strom ja nicht von der EEX sondern ist selbst der größte Stromerzeuger Deutschlands.

Wir würden gerne von Ihnen wissen, wo die in den Haushaltstarifen einkalkulierten Abschreibungen auf vorhandene Kraftwerke und Leitungsinfrastruktur von Ihnen verbucht wurden, was Sie mit diesen Beträgen gemacht haben. Wie hoch waren die Kosten der Nettosubstanzerhaltung, die Sie von Tarifkunden in den zurückliegenden Jahren erhalten haben. Und wo sind diese Beträge geblieben?

Die schrittweise Erhöhung der Ökosteuer ist keine Erklärung für die höheren Beträge, die Verbraucher über die Ökosteuer hinaus an ihre Stromversorger zu zahlen haben. Meine Fragen beziehen sich ausschließlich auf die seit dem Jahr 2000 ständig steigenden Beträge, die Kunden unabhängig von den staatlichen Steuern und Abgaben an ihre Stromversorger zu zahlen haben. Für diese tragen allein die Versorgungsunternehmen die Verantwortung. Es geht dabei um Beträge in zweistelliger Milliardenhöhe. Diese scheinen in einem ursächlichen Zusammenhang mit den ebenso steigenden Gewinnen der Energieversorger zu stehen.

Es ist für Verbraucher nicht nachvollziehbar, wie die von Jahr zu Jahr steigende Gewinne Ihres Unternehmens mit den Strompreissteigerungen in Einklang zu bringen sind. Steigende Gewinne in einem Monopolbetrieb sind kein Zeichen effizienten Wirtschaftens sondern vielmehr überhöht kalkulierter Preise.

Sehr geehrter Herr Bernotat, ich bin in den vergangen Wochen sehr oft von Journalisten gefragt worden, wieso die Strompreise ständig steigen. Diese Frage hat mich stets in Bedrängnis gebracht, weil ich es einfach nicht glauben kann, dass Unternehmen derartig rücksichtslos ihren im Monopol gefangenen Kunden in die Tasche greifen. Ihr ehemaliger Kollege, der EnBW-Vorsitzende Herr Goll, sprach in diesem Zusammenhang von "Betrug" und "Abzocke". Mir liegt diese Wortwahl nicht.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir aus meiner Beklemmung heraushelfen, indem Sie mir und der Öffentlichkeit nachvollziehbar darlegen, wieso Ihr Unternehmen in den vergangenen vier Jahren die Strompreise überhaupt angehoben hat. Diese Frage bezieht sich auf die drei Bereiche Stromerzeugung, Stromverteilung und Stromvertrieb Ihres Konzerns. Bitte legen Sie Ihre Kalkulationsgrundlagen offen. Damit wirken Sie im übrigen auch dem entgegen, dass sich ihre Kunden unter Berufung auf die fehlende Billigkeit ihrer Strompreise von Ihnen genau diesen Nachweis einfordern und bis dahin weitere Zahlungen verweigern.

Mit freundlichem Gruss

Dr. Aribert Peters

Vorsitzender.
Antwort im Auftrag von Herrn Bernotat vom 12. Oktober 2004
Herr Bernotat hat mich gebeten, Ihren offenen Brief vom 22. September 2004, der an die Adresse unserer Tochtergesellschaft in München gerichtet war, und Ihr Fax vom 6. Oktober 2004 zu beantworten.

Sie fordern uns auf, unserer Kostenkalkulation Ihnen gegenüber offen zu legen. Dazu besteht keine Veranlassung, denn im Rahmen unserer Finanzberichterstattung bieten wir der Öffentlichkeit ein hohes Maß an Transparenz über die wesentlichen Daten, die unsere wirtschaftliche Tätigkeit betreffen und die notwendig sind, um sich ein Bild über unsere Kosten- und Ertragslage zu machen. Darüber hinaus gehende Informationen werden wir als Unternehmen, das im internationalen Wettbewerb steht, nicht veröffentlichen.

In Deutschland sind im übrigen die Kartellbehörden für die Überprüfung möglichen missbräuchlichen Verhaltens von Marktteilnehmern zuständig. Dieser Aufgabe gehen die Kartellbehörden sachkundig und professionell nach. So hat das Bundeskartellamt vor einigen Wochen erklärt, die beabsichtigten Strompreiserhöhungen einiger Wettbewerbsunternehmen zu prüfen. Die E.ON AG gehört nicht zu diesen Unternehmen. Schließlich planen wir auch keine Erhöhungen unserer Netznutzungsentgelte. Wir würden es begrüßen, wenn diese Untersuchungen nun zügig durchgeführt, abgeschlossen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit bekannt gemacht würden. Wir sind überzeugt, dass die gewissenhafte Arbeit des Bundeskartellamts zu einer Versachlichung der öffentlichen Diskussion beitragen wird.

Dr. Peter Blau, Generalbevollmächtigter, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation

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