Logistik im Trockenbau

Logistik im Trockenbau

Noch ist das Logistikangebot von
Knauf in der Testphase. Doch der Trockenbauspezialist trifft mit diesem
Service auf rege Resonanz. Denn damit lassen sich die Aufwen­dungen der
ausführenden Firmen erheblich reduzieren. Ein Beispiel ist das Projekt
"Fünf Höfe" in der Münchener Innenstadt.

Die Anweisung lautet immer gleich: "Wir brauchen x m² Platten im
Bereich y". Die Lösung ist hingegen komplizierter. Mal fährt
Auftragnehmer Knauf frühmorgens um fünf Uhr am Eingang
Theatinerstraße vor, mal liefern die Fahrer die geor­derte Ware von
der Einfahrt Kardinal-Faulhaber-Straße an, mal müssen die Monteure gar
alles vertragen."Es muss doch machbar sein, das Material auf rationellstem Weg vom
Lieferanten zum Verarbeitungsort zu bringen." Mit dieser Erkenntnis
ging Knauf Anfang 1999 daran, nebst Ausbausystem als Service auch das
dazugehörige Logistikkonzept zu entwickeln. Dazu trug Knauf den statistischen
Erhebungen Rechnung, nach denen das größte Einsparungspotential im Trockenbau
im Abtransport der Baustoffe liegt. Bei vier Projekten hat der Hersteller
aus Iphofen seitdem diese Dienstleistung komplett übernommen. Federführend
ist hierbei Kurt Münk, Leiter der Abteilung Knauf Trockenbaulogistik.
"Nichts ist teurer als die Platten zu vertragen", informiert
der Fachmann. Wegen der Fixkosten ist der Nutzen der Auslagerung von
Logistikdienstleistungen an eine bestimmte Größe des Objekts gebunden.
Bereits ab einer Größenordnung von 30.000 m² kann der Trockenbauer
jedoch durch die rationelle Anlieferung seitens des Lieferanten Geld
einsparen. Auch schwierige Baustellen profitieren vom Outsourcing der
Fahrleistungen. Ein Fachunternehmer, der aus München kommt, tut sich
schwer, wenn er im Einbahnstraßengewirr von Berlin eine Baustelle abarbeiten
und hierzu den Materialtransport koordinieren und organisieren soll.
Viel einfacher ist es, anzu­reisen und sich dann definitiv den Verlegearbeiten
widmen zu können.

Im Zwist entscheidet der Generalunternehmer

Fünf Uhr morgens, in der Theatinerstraße in München ist die Hölle
los. Ein Dutzend Lastwagen warten darauf, in die Baustelle "Fünf
Höfe" einfahren zu dürfen. Die Fahrer wissen: Um Zehn erlischt
die Einfahrtgenehmigung. Dann gehört die Einkaufsmeile wieder den
Passanten. Wegen der schwierigen Anlieferungsverhältnisse - kombiniert
mit einem engen Terminplan - hat auch die auf der Großbaustelle
tätige G+H Montage Gesellschaft für Innenausbau mbH die
Logistikdienstleistungen an Knauf übertragen. Zu den Aufgaben der
Spezialisten gehört es, die Materialien - insgesamt 130.000 m²
Gipsplatten - werkseitig vorzubereiten, auf Sonderpaletten zu verladen
und nach den Gegebenheiten der Baustelle und dem Abruf des Auftraggebers
und seinen Subunternehmern in den einzelnen Etagen am Verarbeitungsort
zur Verfügung zu stellen. Münk und seine Kollegen legen unter
Berücksichtigung der Restriktionen der Baustelle und der Vorgaben von
G+H die Losgrößen und -tage fest und holen die Einfahrgenehmigungen
ein. Vor Ort halten Hochkran-LKWs die Baustoffe bis zu einer Höhe von
27 m am Haus vor oder teleskopieren sie bis zu Geschosshöhen von
20 m in das Gebäude. Dort nehmen die Knauf Trockenbaulogistiker
die Materialien an und transportieren sie sowohl horizontal als auch
vertikal weiter.

Von den drei Bauteilen der Großbaustelle können nur zwei befahren
werden. In Bauteil 3.1 müssen die Transportarbeiter gar alles
vertragen. Die Mannstärke, mit der angeliefert wird, ist daher
abhängig vom Anspruch der Leistung. In der Regel genügen drei Mann.
Doch manchmal wächst die Truppe auch auf sieben Personen an. Wenn
Schwierigkeiten auftauchen, etwa bei der Abstimmung der
Gewerkeanlieferungen, übernimmt der Logistiker Münk das Gespräch
mit dem Generalunternehmer. "Laut Terminplan sind wir im
Bauteil I vom 20.3.2000 bis 31.01.2001 auf der Baustelle. In dieser
Zeit tummeln sich neben den Trockenbauern auch Fassadenbauer und
Elektriker, Installateure und Maler. In manchen Zonen ist der Rohbau
noch im Gange, in anderen sind bereits die Bodenleger an der Arbeit.
Und alle bekommen sie Anlieferungen". Es gibt nur zwei
Zuführungen, von denen eine nur von fünf bis zehn Uhr morgens befahren
werden darf, die andere, eine Einbahnstraße, schnell verstopft ist. Da
sind Diskrepanzen vorprogrammiert.

Outsourcing hat Zukunft

Ãœbers
Jahr gesehen, ist Münk 50 bis 60 mal auf seinen Bau­stellen. Zusätzlich
berät er Kunden, die nicht sicher sind, wie sie ihr Material rationell
an die Baustelle bringen können. Diese Beratung ist für die Trockenbauer
grundsätzlich kostenlos. Die Logistik bietet Knauf zum Selbstkostenpreis
an. Gewinne fährt der Hersteller damit nicht ein. "Doch wir waren
der Meinung, dass wir, wenn wir den Markt optimal bedienen wollen, auch
die Möglichkeit schaffen müssen, dem Markt zu helfen", erklärt
der Spezialist das Engagement des Arbeitgebers. "Es ist nicht üblich,
dass der Unternehmer direkt in ein Gebäude liefert", bestätigt
auch Peter Sterr, Niederlassungsleiter der G+H Montage Gesellschaft
für Innenausbau. Sein Unternehmen hatte das Angebot von Knauf dankbar
angenommen, weil man sonst in Zeitverzug gekommen wäre. "Der ursprüngliche
Terminplan ließ uns keine Zeit für Logistik und Anlieferung. Alle Männer
waren auf der Baustelle verplant". So war Sterr glücklich, dass
er die Logistikdienstleistungen weiterreichen konnte. Der Niederlassungsleiter
ist überzeugt: "Das war kein Einzelfall. In Sachen Logistik wird
der Weg in Richtung Partnerschaft zwischen ausführenden Trockenbauern
und zuliefernder Industrie gehen. Wir machen immer mehr Sanierungen.
Gleichzeitig werden die Bauzeiten immer kürzer. Also brauchen wir starke
Partner, die uns verschiedene Bereiche abnehmen."